AustausschĂŒler plaudern von ihren ersten Erlebnissen

Seit mehr als einem Monat gehen die AustausschĂŒler aus Kalifornien in Dresden in die Schule: Zeit fĂŒr eine Zwischenbilanz. Stefano und Jessica erzĂ€hlen von ihren ersten Erfahrungen.


Jessica: Meine Ankunft in Dresden fĂŒhlt sich fĂŒr mich noch immer so an, als sei sie gestern gewesen. Aber laut dem Kalender ist schon ein ganzer Monat vergangen. Ich habe schon in diesen kurzen vier Wochen unglaublich viel Neues gelernt und gesehen.

Hier in Dresden sind viele Sachen anders als bei mir zu Hause in Kalifornien. In der Schule habe ich schon die ersten Unterschiede gemerkt. An der GISSV lernen wir zum Beispiel nach dem thĂŒringischen Lernplan. In FĂ€chern wie Französisch und Englisch war ich meinen deutschen Freunden voraus, in vier anderen FĂ€chern jedoch musste ich viel nachholen. Auch die Freizeit verlĂ€uft hier anders, als ich es gewohnt war. Ich darf viel selbststĂ€ndiger sein und kann mit Hilfe der Straßenbahn viel alleine unternehmen.

Menschen kennenzulernen, das ist fĂŒr jeden AustausschĂŒler eines der grĂ¶ĂŸten Ziele. Bei mir hat das inzwischen funktioniert: Ich habe viele neue Freunde kennengelernt, die alle nett zu mir waren. Ich fĂŒhle mich in meiner Klasse sehr wohl und habe mich schon mit einige MitschĂŒler angefreundet. Die Umstellung von den USA auf Deutschland war zuerst recht schwierig. Jetzt, wo das ĂŒberwunden ist, freue ich mich aber auf die noch folgenden Erlebnisse.

Stefano: Ich schaue auf dem Kalender und sehe, dass ich schon seit einem Monat in Dresden bin. Neben vielen anderen spannenden Dingen, habe ich zum Beispiel erfahren, dass „Nu“ in Sachsen „Ja“ heißt. Die SchĂŒler meines Jahrgangs und sogar die aus der Klasse meines Austauschbruders Christian sind alle sehr nett zu mir. Jetzt, wo das Wetter deutlich besser geworden ist, spielen wir in die Pausen Fußball gegen unsere Parallelklasse. Da ich frĂŒher ein sehr großer Fußball-Fan gewesen bin, macht es mir Spaß, meine alten „Tricks“ aus dem Schrank zu holen. Und obwohl ich zur Zeit in einem Fußball spielenden Land lebe, habe ich mit meinem zweiten Hobby: Dem Basketball, nicht aufgehört. Ein Klassenkamerad hat mir den Zugang zu einem Dresdner Basketball-Verein erleichtert. Aber genug zum Thema Sport.

Vor ein paar Wochen hatten wir Projekttag. Da hat sich meine Gruppe mit dem Thema Vielfalt in Deutschland befasst. Da wurde ich zum ersten Mal ausfĂŒhrlich ĂŒber die NPD informiert. Zum ersten Mal wurde mir gesagt, dass rund um mich herum die Rechten immer mehr Zuwachs in der Bevölkerung gewinnen. In der Zeit, die ich schon in Dresden bin, glaube ich schon einige Neonazis gesehen zu haben. WĂ€re es zu Auseinandersetzungen gekommen, wenn ich alleine gewesen wĂ€re als AuslĂ€nder?

Bei meiner Gastfamilie sind Auseinandersetzungen gar kein Problem. Vor kurzem waren wir in MĂŒnchen, weil Christians Eltern dort eine Konferenz besuchten. MĂŒnchen hat einen tollen Eindruck bei mir hinterlassen. Dann waren wir an der Nordsee fĂŒr einen Wochenende. Zwischendurch habe ich mit meiner Gastfamilie auch noch andere sehr interessante Sachen erlebt. Da Frau Dr. Heckemann mich gefragt hat, was ich studieren möchte und ich darauf Medizin geantwortet habe, hat sie mich mit zum Hausbesuch genommen. Diese Erfahrung und all die anderen vielen, kleinen Erlebnisse machen mir Lust auf die verbleibenden Monate.