Ecuador 2017

MCG goes to Ecuador

Seit 2001 engagieren sich die Schüler, Eltern und Lehrer des Marie-Curie-Gymnasiums für den Schutz des tropischen Regenwaldes.

Mit Vorträgen, Basaren, Wettbewerbsteilnahmen, Ausstellungen und Aktionstagen an der Schule und in der Dresdner Öffentlichkeit, die Gestaltung und den Verkauf eines Regenwaldkochbuches und dem jährlich stattfindenden Sponsorenlauf wurde seitdem eine Spendensumme von ca. 220.000 € zusammengetragen.

Seit 2003 unterstützen wir mit einem Großteil der Spenden die Gesellschaft zum Schutz des Regenwaldes GSR „Selva viva“ in Ecuador.

So konnten durch diese Gelder bisher etwa 500 ha tropischer Regenwald in Ecuador dauerhaft unter Schutz gestellt werden.

Am 18. September wird eine Gruppe von 7 Schülern, einem Vater und 2 Lehrern des Marie Curie Gymnasiums nach Ecuador reisen und „unseren“ geschützten Tropischen Regenwald besuchen und durch eine Aufforstungsaktion unterstützen.

Die Reise wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushalts über die Förderrichtlinie „Internationale Zusammenarbeit“ der Sächsischen Staatskanzlei vom 15.09.2015.

Weitere finanzielle Unterstützung leisteten: KLA-Tencor Foundation und Grasreiner.Design.

Beiträge

  • Laut unseren Flugtickets von Lufthansa wurden für jeden Passagier auf unseren Flügen 1,436 Tonnen CO2 freigesetzt1. Ist dieser Aufwand und dieser Beitrag zum Klimawandel für unsere Reise vertretbar?

    Am Abend des 07.10.2017, des Samstags der ersten Herbstferienwoche, kamen wir wieder in Dresden auf dem Flughafen an. Die Eltern und Freunde bereiteten uns einen großartigen und sehr emotionalen Empfang.

    Nun ist es Zeit darüber nachzudenken, ob die Reise sich gelohnt hat.

    Auf jeden Fall war es für jeden Mitreisenden ein Ereignis, welches er so schnell nicht vergessen wird. Die vielen Begegnungen mit fremdartigen Tieren und Insekten, mit interessanten Pflanzen, mit der fremden Kultur und den vielen neu gewonnenen Freunden auf der anderen Seite des Atlantiks werden uns lange in Erinnerung bleiben.

    Für unser Regenwaldprojekt war es aber auch sehr wichtig. Wir haben einen unverfälschten Eindruck von unserem Schutzwald, der Arbeiter vor Ort, der Tierauffangstation „AmaZOOnico“ sowie der Urwaldschule „Sacha Yachana Huasi Christina“ erhalten. Und nicht nur das, wir haben auch eine öffentliche Schule von Tena kennengelernt und Einblick in deren Unterricht gehabt. Wir führten Experimente am Äquator durch und besuchten aktive Vulkane.

    Über all das werden wir an einem Abend in der Aula berichten und hoffentlich noch mehr Schüler zur aktiveren Teilnahme am Regenwaldlauf motivieren können.

    Bleiben noch die 14,36 Tonnen CO2 die für unsere Flüge in die Atmosphäre freigesetzt wurden.

    Bei unserem Aufenthalt im Regenwald starteten wir das erste Wiederaufforstungsprojekt von SELVA VIVA. Wie wir schon berichteten, pflanzten wir etwa 200 Tschuntscho-Bäume auf einer ehemaligen Kakao-Plantage um die Artenvielfalt zu erhöhen. Jeder dieser Setzlinge wird in den nächsten Jahren eine Höhe von etwa 40 m und einen Stamm von ca.1 Meter Durchmesser erreichen. Dabei wird er ein Trockengewicht von etwa 2 Tonnen besitzen. Dieses entspricht dann ca. einer Tonne gespeicherten Kohlenstoffs. Um diese Biomasse zu erzeugen, wird der Baum etwa 3,5 Tonnen CO2 aufnehmen2. Unsere 200 gepflanzten Tschuntschos werden in den nächsten 100 Jahren also etwa 700 Tonnen CO2 speichern.

    Ich denke, dafür haben sich die Flüge gelohnt.

    Wir müssen nur alles dafür tun, dass sie dauerhaft geschützt werden und in Ruhe wachsen können.

    Ingo Ulbricht (Leiter der Expedition)

    1 Quelle: http://www.icao.int/environmental-protection/CarbonOffset/Pages/default.aspx

    2 Quelle: http://www.wald.de/wie-viel-kohlendioxid-co2-speichert-der-wald-bzw-ein-baum/

  • Schritt für Schritt ging es langsam bergauf. Wer sich schneller bewegte, wurde durch Herzrasen und Atemnot bestraft. Vor unseren Füßen erstreckte sich ein nur 30 cm breiter Pfad. Links von uns nur kahle schwarze Felswände, welche in die Höhe ragten, rechts von uns ein tiefer Abgrund aus dunklem Schotter. Noch ahnte keiner von uns, dass dieser Abgrund unser Rückweg werden sollte …

    7 Uhr: Wir standen auf. Jeder kroch aus seinem Schlafsack unter mindestens zwei Decken. Wir übernachteten in verschiedenen reparaturbedürftigen Holzhütten am Fuße des Cotopaxi. Das Waschen fiel mangels Wassers aus. Frühstück gab es in der größeren Schutzhütte „Cotopaxi – Cara Sur“. Während wir aßen und uns die Ärsche abfroren, unterrichtete uns Herr Ulbricht über die anstehende Wanderung am Cotopaxi.

    Gegen 8:30 standen wir mit gepackten Tagesrucksäcken zum Abmarsch bereit. Nach weniger als anderthalb Stunden verloren wir auch schon die ersten Mitglieder, da die nicht unerhebliche Höhe (4.200 m ü. NN) für manche einfach zu viel war und sie somit zurück zu unserem Basislager gebracht werden mussten. Zu siebt ging es dann weiter zum eigentlichen Ziel unserer Wanderung, dem Morurcu, einem Nebengipfel des Cotopaxi. Allerdings war der Weg mit vielen Risiken verbunden, wie zum Beispiel vom schmalen („schmal“ maßlos untertrieben) Pfad abzurutschen und in dem rund 300 Meter tiefen Abgrund zu verschwinden.

    13 Uhr: Nach langem Überlegen und Beraten mit unseren Bergführern, welchen Weg wir als nächstes einschlagen wollten, entschieden wir uns für eine etwas kürzere Route als ursprünglich geplant. Jedoch wussten wir noch nicht, was uns auf diesem Weg erwarten würde.

    . . . nach einem weiteren Anstieg auf 4.500 Meter rannte Luis, einer der beiden Guides, welche mit uns unterwegs waren, wie von der Tarantel gestochen den endlosen Steilhang aus vulkanischer Asche hinunter. Wir taten es ihm gleich und stürzten hinterher. Dabei soll gesagt sein, dass wir viel mehr rutschten als rannten. Wir surften quasi den Fuß des Vulkans hinunter. 300 Höhenmeter später waren wir am Grund einer Schlucht angekommen. Hier konnte man noch sehr gut die Schlammströme vulkanischer Asche der letzten Ausbrüche des Cotopaxi erkennen. Doch wo es runter geht, muss es leider auch wieder hoch gehen. So blieb es uns nicht erspart, nach einer längeren Wanderung im Tal weitere 200 Höhenmeter bis zu unserem Basislager anzusteigen. Doch kurz vor unserem Ziel fing es an in Strömen zu regnen. So zerrann unsere letzte Hoffnung ein freien Blick auf den Cotopaxi zu haben.

    Trotzdem waren wir glücklich als wir endlich gegen 15 Uhr vor dem warmen Kamin der Hütte mit unseren neuen Freunden, den Bergführern Eduardo und Luis, saßen.

    Jennifer, unsere Köchin, erwartete uns schon mit einer warmen Suppe.

    Am Abend spielten wir noch eine deutsch-spanische Runde Schummelmax. Die drei Ecuadorianer amüsierten sich köstlich bei dem neu erlernten Spiel.

    Gegen 20 Uhr krochen wir dann schon wieder in unsere etwas klammen Schlafsäcke. Beim Einschlafen dachte bestimmt jeder an unser Vorbereitungsboofen in der Sächsischen Schweiz. Das fühlte sich so ähnlich an, nur dass es damals bestimmt 20 Grad wärmer war.

  • Wir starteten den Tag mit einem schönen heißen Coca-Tee, da dieser gut gegen die Höhenkrankheit ist. So vorbereitet begaben wir uns auf den Weg zur Seilbahn „TelefériQo“, welche uns auf eine Höhe von 3945 Meter ü. NN brachte. Am ersten Mirador (Aussichtspunkt) erzählte uns Vivien vom letzten Ausbruch des Vulkans Pichincha 2009. Es war ein wenig beängstigend zu wissen, dass der Berg immer noch aktiv ist. Welche Gefahr von dem Hausberg Quitos für die Stadt ausgeht, ist kaum vorstellbar.

    Von der Bergstation der Kabinenbahn gingen wir Schritt für Schritt immer mehr in Richtung des Gipfels. Es ging nur sehr langsam voran, da wir ständig Anhalten mussten um wieder zu Atem zu kommen. Unser Ziel waren die 4200 Meter Höhe (was noch lange nicht der Gipfel war). Leider mussten wir zwischendurch dann zwei unserer Gruppe zurücklassen, da sie ein Problem mit der Höhe hatten. Der Rest von uns kämpfte sich aber bis zu unserem Ziel weiter. Nach einer kurzen Pause begaben wir uns dann aber wieder in Richtung der Seilbahn. Als der größte Teil des Wegs nach unten geschafft war, machten wir noch eine Picknickpause. Beeindruckend war die Sicht über das ganze Tal Quitos. Die Millionenstadt lag uns zu Füßen. Leider nahm die Bewölkung immer mehr zu, so dass die Vulkane nur am frühen Morgen zu sehen waren. Gegen 15 Uhr fuhren wir wieder mit der Seilbahn zurück. Doch die Wanderung war noch nicht alles.

    Wir bestellten drei Taxis und fuhren zum „Panecillo“, einem Berg mit einer Engelsstatue aus Stein. Von dort aus hatten wir einen grandiosen Blick über Quitos Altstadt. Anschließend begaben wir uns auf einen Kunsthandwerkermarkt, wo wir in kleinen Gruppen über den Platz gingen. Später Teilten wir uns in zwei Gruppen, eine Gruppe begab sich zurück zum Casa Helbling und die Anderen versuchten ihr Glück bei einem Kunst- und Kulturmuseum, welches aber geschlossen war. Den Abend ließen wir dann ruhig ausklingen. Ein Teil von uns schaute die Wilden-Kerle Teil 5 und ein anderer Teil ging lieber schlafen.

  • Der heutige Tag startete für uns um 6:15 Uhr. Wir machten uns, ohne Frühstück, auf den Viehmarkt von Otavalo. Da Herr Ulbricht uns schon einiges über den Umgang der Indigenen mit den Tieren erzählt hatte, hatte sich jeder schon ein paar Gedanken gemacht und innerlich vorbereitet.

    Als wir auf dem Markt ankamen, wussten wir, das alles was wir uns vorgestellt hatten, nicht zutrifft.

    Nachdem wir uns umgeschaut hatten, waren wir alle geschockt und den Ersten schlecht. Vor allem war es schockierend wie mit den Hühnern und Schweinen umgegangen wurde. Die Hühner wurden lebendig an den Beinen zusammengebunden und kopfüber aufgehängt. Schweine wurden am Schwanz hochgehoben und an einem Band am Hals gezogen, um sie nach dem Verkauf vom Platz zu schaffen.

    Man hörte überall die Rufe verschiedenster Tiere. Dazu regnete es noch. Der Platz schien bald im Schlamm zu versinken und die Abgase der Tiertransporter trugen ebenso dazu bei unser Unwohlsein zu verstärken.

    So verließen wir nach kurzer Zeit den Viehmarkt und beschlossen, uns ein Restaurant zum Frühstücken zu suchen.

    Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Kunsthandwerker-Marktplatz. Da es immer noch regnete und wir vollkommen durchnässt waren, durchkämmten wir kurzerhand den Fließpullovermarkt von Otavalo und wurden auch fündig. Wieder wärmer angezogen gingen wir Schoppen.

    Dieser Markt war atemberaubend. Wo man auch hinsah waren bunte Stoffe, Schmuck, Taschen, Ton-/Keramik-&Holztextilien.

    So war der Vormittag doch noch gerettet und wir starteten mit fast allen Mitbringseln die Reise nach Quito. Doch nun gab es doch wieder einen Dämpfer. Eigentlich wollten wir mit unserem Bus noch zu einer Condor-Show. Doch der Busfahrer wirkte dies durch einen Hinweis auf einen sehr überteuerten zusätzlichen Preis ab.

  • Laut Wikipedia:

    Pachamanca (from Quechua pacha „earth“, manka „pot“) is a traditional Peruvian dish based on the baking, with the aid of hot stones (the earthen oven is known as a hutia), of lamb, mutton, pork, chicken or guinea pig, marinated in spices. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Pachamanca)

    Aber wie läuft ein Pachamanka ab?

    Am späten Nachmittag trafen wir uns an einem mystischen Ort gleich hinter unserem Hostal. Einige indianische Figuren schmückten den Platz und es loderte ein großes Feuer in dem viele vulkanische Steine lagen. Zuerst umschmückten wir ein Erdloch und markierten einen Weg mit Rosenblättern zum Lagerfeuer. Zu unserem Entsetzen wurde dann unser Abendessen, mit den glühenden Steinen, in einem Erdloch beerdigt und mit einem Kreuz, Blättern und Figuren verabschiedet. Daraufhin verschwand Veit, Henriettes Vater, mit etlichen leicht bekleideten Holländerinnen und Indigenen in einer Schwitzkammer und zelebrierten dort mit spirituellen Gesängen ein Temascal. Nach zwei Stunden war dieses beendet und das Erdloch mit unserem Essen wurde wieder geöffnet. Und tatsächlich waren die Speisen im Erdloch gegart. So folgte ein Festmahl, welches das Essen der benachbarten Gaststätte bei weitem übertraf.

  • Staubige Straßen, halbfertige und schon wieder baufällige Hütten, wo bringt uns Zulay, unsere indigene Führerin, nur hin.

    Nach dem Frühstück sind wir alle mit einem Kleinbus losgefahren um mehrere Dörfer um Otavalo zu besuchen. Als erstes haben wir in einer sehr einfachen, aber bewohnten Hütte zuschauen können wie eine Indigene, sehr feste und robuste Matten aus Schilfrohr herstellte. Solche Matten scheinen heute immer noch große Bedeutung zu haben wie vor hunderten von Jahren, denn wir haben später immer wieder solche Matten in Gebrauch gesehen. Als Teppich, Abdeckung, Windfang … Dann haben wir eine Familie in ihrem Garten besucht die uns zwei einfachen, traditionellen Webtechniken zeigten mit denen sie farbenfrohe und mit filigranen Mustern verzierte schmale Bänder webten und wir sahen lustiger Weise einen Hahn mit Hausschuhen. Anschließend zeigten sie uns stolz ihre Meerschweinchen, wovon uns eines gleich durch die Lappen gegangen ist. Im nächsten Dorf kamen wir zu einem Musiker und Instrumentenbauer der uns als erstes zeigte wie er traditionelle Panflöten hergestellt. Danach zeigte und spielte er uns etwas vor auf den regional unterschiedlichsten Panflöten, Rohrflöten, Blasröhren (ähnlich eines Didgeridoos), Ukulele und anderen Instrumenten. Und nachdem auch wir etliche Instrumente ausprobieren durften, gründeten wir spontan unsere eigene „Band“. Bei unserer Letzten Station zeigte uns ein alter 84 jähriger Herr wie man aus Schafswolle, durch einem langwierigen Prozess, erst einmal einen Faden bekommt um später aus diesem Faden einen Poncho herstellen zu können. Bevor wir zu unserem Hostel an den Bahndamm zurück kehrten, kamen wir noch an mehreren Häusern vorbei aus denen ein ohrenbetäubender Lärm kam. Als wir in die Fenster hinein schauten sahen wir in kleinen Zimmern mechanische Webstühle. Auch wenn diese zwar keine großen Fabriken waren, zeigte uns dies aber dass die traditionelle Handarbeit also auch hier immer mehr in den Hintergrund zu treten scheint, die Arbeitsbedingungen dadurch aber nicht besser werden, da die Indigenen mit Atemschutzmaske und Ohrenschutz arbeiten mussten.

  • … gewesen sein – das geht nicht.

    So fuhren wir natürlich erst einmal zum großen Äquatormonument „Mitad del Mundo“. Dieses größte Äquatordenkmal in Ecuador wurde auf der Linie aufgebaut, die 1736 von einer französischen Expedition unter Leitung von Charles Marie de La Condamine als Äquator bestimmt wurde. Leider hat man sich damals um 240 m vermessen, so dass man dann noch in das alternative Museum „Intiñan“ gehen muss. Hier kann man auf beiden Halbkugeln der Erde und dem Äquator verschiedene Experimente durchführen, wie z. B. den Abfluss eines Waschbeckens beobachten. Über die Experiment werden wir in unserem Vortrag berichten.

  • Wir schnürten unsere Schuhe zu, zogen unsere Jacken an und wollten endlich los in die unendlichen Weiten Quitos. Doch Herr Ulbricht bremste unseren Elan durch wahrscheinlich etwas übertrieben Sicherheitshinweise. So verzögerte sich der Abmarsch um bestimmt eine halbe Stunde. Wir liefen zur Bushaltestelle, da wir mit dem Bus in die Innenstadt Quitos fahren wollten. Dies erwies sich aber wesentlich schwerer als gedacht. Die Busse fahren an eine Rampe, öffnen die Türen, dann steigen die Leute aus und dann … Schließen die Fahrer vor unseren Nasen die Türen und die Busse fuhren weg. Beim dritten Versuch hatten wir es dann begriffen. Es muss sich halt einer in die Türe stellen bevor alle ausgestiegen sind und die Tür blockieren bis alle drin sind. Natürlich stiegen wir auch an der falschen Haltestelle aus und so stapften wir über die stark befahrenen Straßen Quitos bis zu unserem ersten Zielpunkt: Monasterio de San Francisco. Sehr beeindruckt vom vielen Gold des ältesten Klosters Ecuadors, mit welchem die Kathedrale ausgekleidet war, ging es zur nächsten Kirche. Tausende Kirchen später (Es waren aber eigentlich nur die Beiden.) standen wir auf Quitos Platz der Unabhängigkeit, dem Plaza Grande. Dort beobachteten wir, wie die Polizisten auf ihren motorisierten Sackkarren durch die Gegend rollten, Straßenhändler ihre Waren verkauften, den offensichtlich Reicheren aber auch Ärmeren die Schuhe geputzt wurden und die Wachen des Präsidenten regungs- und emotionslos vor seinem Palast standen. Durch ein kostenloses Ticket versuchten wir ein Privatmeeting mit dem Präsidenten Ecuadors zu erhalten. Am Ende bekamen wir ihn aber nicht zu Gesicht und sahen nur die Gemächer in denen er residiert. Dann ging es weiter durch verschiedene Hausinnenhöfe bis zu unserer letzten Station der Sightseeingtour: die Basilica del Voto Nacional. Zum Glück war es aber schon recht spät, so dass uns der dritte Kirchenbesuch erspart blieb.

    Nach etwas Suchen fanden wir endlich eine Bushaltestelle und erreichten kurz vor Einbruch der Dunkelheit die Herberge.

    • Der Direktor der Schule begrüßt uns kurz und fragt nicht einmal woher wir kommen und aus welchem Grunde wir da sind. Er übergab die Führung durch seine Schule sofort dem Inspektor und verschwand.

    • Das Schulgelände ist ein vollständig umzäunter und betonierter Platz, auf dem die offenen überdachten Gebäude mit den Klassenzimmer stehen. Grünes fehlt.

    • Die Schüler der 1. bis 7. Klasse haben ihren Unterricht von 7 bis 12.20 Uhr.

    • Die 8. bis 12. Klasse haben ihren Unterricht von 12.30 bis 18 Uhr.

    • Die Schüler tragen Schuluniformen.

    • In jeder Klasse sitzen 40 bis 50 Schüler.

    • Es gibt offensichtlich keine Schulbücher und die Klassenzimmer sind sehr spartanisch eingerichtet.

    • Im Unterricht ist es sehr laut und da es keine Glas-Fenster gibt, hört man auch die anderen Klassen und die Schüler auf dem Schulhof.

    • Auch nach dem Klingeln, welches einer Sirene zum Feueralarm glich, kehrte keine Ruhe ein.

    • Die Englischlehrerin einer Klasse konnte weniger Englisch als wir. Große Probleme hatte sie mit der Aussprache. Dafür mussten die Schüler als Hausaufgabe alle Zahlen von 1 bis 1000 aufschreiben.

    • Das Schuljahr ist in Trimester eingeteilt. Es gibt nur 5 Fächer: Mathe, Sprachen, Sozialkunde, Naturwissenschaften, Sport. Wobei z.B. in den Naturwissenschaften trimesterweise zwischen Biologie, Chemie und Physik gewechselt wird.

    • Noten gibt es erst am Jahresende, die Schüler müssen für die Versetzung eine Prüfung bestehen. Allerdings gibt es vier Versuche – mit immer denselben Aufgaben.

    Der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen war auf dem Schulhof rasch hergestellt. Die ecuadorianischen Schüler zeigten große Neugier und winkten uns zu, selbst im Unterricht versuchten sie per Zeichensprache mit uns zu kommunizieren. Besonders von Selma waren alle fasziniert, sie wurde umringt und jeder wollte mit ihr ein Foto machen.

  • Es ist unglaublich, jeden Tag sitzen wir 7.30 Uhr am Frühstückstisch. Wollten wir nicht Urlaub machen? Nugelys und Eduardo sind schon viel früher munter. Sie haben dann schon das Essen vorbereitet. Ein vorher aufgestellter Plan der beiden zeigt ganz genau, was es wann zum Frühstück, Mittag und Abendbrot zu Essen geben wird. Eduardo hat den Speiseplan zusammengestellt und vor unserer Ankunft alle Lebensmittel für die Woche unserer Anwesenheit eingekauft. Die Vielfalt der von ihnen gekochten Speisen ist beeindruckend. Es ist eine Reise durch die Spezialitäten der modernen südamerikanischen Küche. So lernten wir z.B. venezolanische Arepas (Maisfladen), verschiedenste Zubereitungsvarianten der Kochbanane (z.B. die Patacones) oder Submarinos de Atun (Thunfischkroketten) kennen. Eduardo erklärt uns auch die verwendeten Früchte und Gemüse und deren Zubereitung.

    Beide sind keine Köche. Vor wenigen Jahren kamen sie aus Venezuela nach Ecuador. Nicht als politische Flüchtlinge, sondern um ein neues Leben anzufangen. Die politische Situation in Venezuela beeinflusste aber ihre Entscheidung das Land zu verlassen. Nun arbeiten sie als Rechtsanwalt für SELVA VIVA bzw. als Assistentin in einer Uni in Tena. Nugelys nutzt aber gerade die Zeit über eine berufliche Neuorientierung nachzudenken.

    Nach unseren Exkursionen oder Arbeitseinsätzen auf der Finca Liza kehren wir in der Regel um 18 Uhr zurück. Leider wird es am Äquator jeden Tag zu dieser Zeit dunkel, so dass dann die Boote nicht mehr fahren können und damit der Weg zu unserem Haus am Puerto Barantilla abgeschnitten wäre.

    Nugelys und Eduardo, wir werden Euch auf der weiteren Reise vermissen.

    Nicht vermissen werden wir die ungebetenen Gäste des Hauses, die wir erst neugierig betrachteten, die Einheimischen uns dann aber vor ihren giftigen Bissen, Stichen oder Sekreten warnten.

  • Eigentlich wollten nicht alle an der Wanderung teilnehmen. Im Dunkeln, eine Stunde nach Sonnenuntergang bei Neumond durch den unbekannten Wald zu gehen, stellte doch ein kleine emotionale Herausforderung dar. Unser Guide Suyo begann auch sofort mit den Sicherheitshinweisen: Niemand darf zurückbleiben. Man darf nicht senkrecht nach oben in die Bäume leuchten, es könnten sich Insekten von den Bäumen fallen lassen. Alle müssen leise sein, damit man die Kommandos des Guides versteht. Kreuzt eine Schlange den Weg, darf niemand in Panik verfallen. Es wird Stopp gerufen und die ganze Gruppe geht langsam den Weg rückwärts zurück. Zum Glück hatten wir noch vom Arbeitseinsatz unsere Gummistiefel. Am Ende liefen wir nur 800 m, aber was wir sahen, war mehr als beeindruckend. Dank des Engagements von Remigio, Jaime und Rubén (den Waldhütern) für den Schutzwald SELVA VIVAs und dem Geld der vielen Spender konnte sich hier trotz der Nähe zur Zivilisation eine große Artenvielfalt erhalten.

    Die Schlangen hatten sich aber leider versteckt, da es kurz zuvor regnete.

  • Große dunkelbraune Augen schauen uns sehr aufmerksam an – da sind unsere Herzen schon geschmolzen. Wir stehen in unseren dunkelroten T-Shirts vor der 1. bis 3. Klasse der „Sacha Yachana Huasi Christina“, der Urwaldschule des SELVA-VIVA-Projektes, und erklären, dass und warum wir aus Dresden gekommen sind.

    Fausto, der Direktor, stellt uns stolz seine Schule vor. Wir präsentieren uns auch vor den Schülern der 4. bis 6. Klasse, die in der Hütte gegenüber Unterricht haben und bei den 3 Schülern der Vorschule. Die älteren Schüler lernen auch Deutsch, sind aber zu schüchtern, um es mit uns zu sprechen.Die Schüler begrüßen uns mit Liedern in Kichwa und Spanisch – wenigstens bei den Vorschülern können wir mit „Bruder Jakob“ in Deutsch und Russisch mithalten.

    Danach treffen wir uns unter tropischer Sonne auf der Wiese zwischen den 3 Gebäuden und spielen gemeinsam ein ecuadorianisches Katz- und Maus-Spiel. Wir initiieren dann ein paar gemeinsame Runden Twister und mit den Mädchen basteln wir Jonglierbälle aus Flusssand, Folie und Luftballons. Vivien, Johann, Niklas und Jan spielen Fußball mit den Jungs. Die Mannschaftsstärke ist nicht ganz ausgeglichen, denn unsere 4 Spieler müssen gegen eine Vielzahl kleiner flinker ecuadorianischer Beine antreten. So ist der Endstand dann auch 2 : 0 für Ecuador, wobei unsere Mannschaft bei der Hitze größte Ausdauer beweist.

    Am Ende überreichen wir der Schulleitung die mitgebrachten Fußbälle und deutsche Erstlesebücher sowie Malhefte und mit einem „Aplauso del amor“ geht unser Besuch schon zu Ende. Als wir den Weg hinab zum Fluss und unserem Boot laufen, haben wir das gute Gefühl, sehr gern gesehene Gäste gewesen zu sein und sind gespannt auf die weiterführende Schule in Tena, wo die älteren Kinder der Gegend leben und lernen.

  • Nun ging es auf historische Tour, denn wir traten in die Fußstapfen des oben schon genannten Francisco Orellana. Wir ließen uns ebenfalls flussabwärts treiben, allerdings nicht in einem Boot sondern in gigantischen Donuts. Dies war kein sehr ungefährliches Unterfangen, da wir unter anderem auch durch sehr viele Stromschnellen gespült wurden. Neben zahlreichen Wasserschlachten mit den Lehrern verloren wir auch das Boot, welches uns eigentlich beaufsichtigen sollte, aus den Augen. Doch überlebten wir alle das spannende Abenteuer und gingen anschließen noch mit Klamotten baden. Klitsch-nass und in sengender, schwül-warmer Hitze wateten durch den Regenwald nach Hause. Auf dem Weg redeten wir über die verschiedensten Dinge, unter Anderem fiel uns auf, dass Legosteine schlimmer sind, als Kleinwüchsige, welche auf der Rolltreppe anderen Mädchen unter den Rock schauen.

    Nach anschließendem „Wet T-shirt Contest“ unter der Gemeinschaftsdusche, schafften wir unsere Isomatten und Schlafsäcke auf das Dach, da wir fest vorhatten im Freien zu schlafen.

  • Heute Vormittag regnete es und die Temperaturen waren durch den bewölkten Himmel sehr angenehm. Doch nun starteten wir zu unserer Aufforstungsaktion und die Sonne brannte heißer als wir es bisher erlebt hatten. Zum Glück holte uns Remigio Canelos mit einem Pickup ab. Dass hieß, einige von uns konnten auf der Ladefläche des Autos mitfahren. So gab es einen heißen Streit um kühle Plätze. Was aber noch niemand wusste, die Jungs von der Ladefläche mussten später beim Aufladen der Baumsetzlinge doppelt schuften.

    Nach kurzer Fahrt waren wir auch schon an der Finca Liza. Die Finca liegt am Rand des Selva viva Schutzwaldes. Wildhüter Rubén erzählte uns, dass sie vor sieben Jahren von ihrem vorhergehenden Besitzer verlassen wurde. Es war ein Amerikaner, der auf dem Land einer ehemaligen Kakaoplantage eine ökologische Baumschule aufbauen wollte. Als er merkte, dass niemand seine Bäume kaufte, verkaufte er das Grundstück an Selva viva. Der ursprüngliche Plan war es nun daraus eine Finca zur Schulung der Bauern der Region zum ökologischen Landbau aufzubauen. Bisher war es aber noch nicht möglich eine geeignete Person zu finden, diese Finca zu leiten. So entschloss man sich, den sich langsam entwickelnden Sekundärwald zu unterstützen.

    Remigio erklärte uns, dass es etwa 100 Jahre dauern würde bis die Kakaoplantage wieder richtiger Urwald wäre. Jetzt konnte man schon sehen, wie viele kleine Bäume das Land wieder in Besitz genommen haben, die die Kakaobäume schon überragen. Es sind aber weniger Arten, so dass der Sekundärwald noch sehr artenarm ist. Nun möchte man den Prozess beschleunigen. Remigio und seine Waldhüter hatten schon begonnen, verschiedene Sorten auf der Plantage zu pflanzen. Wir sollen dies fortsetzen.

    Da wir und die Pflanzen nicht gleichzeitig in und auf das Auto passten, teilte man uns in 2 Gruppen. Gruppe 1 mit Rubén wurde zuerst hingefahren und machte „Sightseeing“ auf der alten Farm. Gruppe 2 mit Wildhüter Jaime ludt die Setzlinge auf und ging bei Ankunft sofort ans Werk. Noch beim Gehen oder eher Stürzen durch den sehr feuchten, teilweise sumpfigen Plantagenwald, redete Jaime ständig auf uns ein. Doch leider war Herr Ulbricht in der anderen Gruppe und so kam uns alles sehr spanisch vor und verstanden nichts. Sehr wort- und gestenreich erklärte er uns, was zu tun wäre.

    Mit dem Pflanzspaten ein 20 cm tiefes Loch ausheben – Den Setzling reinsetzen und anschließend das Loch wieder locker mit Erde füllen. Also eigentlich kein großes Ding, aber alles bei 35 Grad im Schatten. Jaime stand daneben und erzählte die ganze Zeit lachend von Tschuntscho, Tsuntsu und Sontso. Dabei fuchtelte er mit den Armen rum, lachte und animierte uns die Worte nachzusprechen. Das amüsierte ihn dann noch einmal mehr, so dass er sich fast den Bauch vor Lachen halten musste. Es war so lustig, dass wir kaum noch pflanzten, sondern nur noch gemeinsam lachten. Aber eigentlich verstanden wir nur „Bahnhof“.

    Doch dann kam Herr Ulbricht und die Sprachschule ging in Runde 2. Nachdem auch Herr Ulbricht unter tränenreichem Lachen die drei Wörter endlos wiederholen musste und er aber die Erklärung Jaimes verstand, lüftete sich das Geheimnis.

    „Tschuntscho“ ist der Name des Baumes den wir pflanzten. „Tsuntsu“ heißt in Kichwa der Arme und „Sontso“ ist der Dumme.

    Nach anderthalb Stunden trafen wir dann wieder auf die andere Gruppe und hatten etwa 10 Bäume gepflanzt. Nun haben wir also noch 2 Tage um die restlichen 140 Setzlinge einzupflanzen.

  • Der Motor stottert und plötzlich ist Ruhe. Der Motor ist aus. Wir treiben mit unserem Kanu flussabwärts. Schon zum wiederholten Male fällt auf einer unserer Touren mit dem Kanu der Motor aus. Nur diesmal sind wir an der Mündung zum Rio Napo, einem der großen Zuflüsse des Amazonas. Die Strömung ist reißend stark. Man kann den Höhenunterschied der zwei Flussebenen mit dem bloßen Auge sehen. Jeder musste gleich an die Geschichte von Francisco de Orellana denken, dem spanischen Eroberer, der um 1540 ebenfalls mit einem Boot auf dem Napo unterwegs war. Eigentlich sollte er nur mit ein paar Soldaten Proviant besorgen. Da die Strömung aber immer stärker wurde, konnte er mit seinen Begleitern nicht mehr zurück zu seiner Kompanie. So trieb und segelte er 9 Monate auf den Flüssen entlang und gelangte am Ende unfreiwillig als erster Bezwinger des Amazonas an dessen Mündung im Atlantik an. Er berichtete unter anderem von einem Volk mit hochgewachsenen kriegerischen Frauen dem sie begegnet wären. Nach diesen Amazonen wurde der wasserreichste Fluss der Erde benannt. Die Amazonen wurden aber niemals wieder gesehen.

     

    Wir hatten noch einmal Glück. Unser Bootsführer brachte die Situation schnell wieder unter Kontrolle und wir konnten unseren Ausflug nach Ahuano fortsetzen.

  • „Hola, me llamo Io. Mi nombre es una palabra kichwa qué significa hormiga en castellano.“ So begrüßte uns unser indianischer Führer vom Volk der Kichwa zu unserer ersten Dschungelexkursion „Ich heiße Io. Mein Name ist ein Wort in Kichwa und bedeutet Ameise.“

    Endlich war es so weit: Keine langen Fahrten mehr, nur noch der Urwald mit seinen unendlichen Weiten. So erwachten wir vor Aufregung an diesem Tag schon sehr früh und starteten von unserer Unterkunft, dem Haus von Christine von Steiger, der schweizer Präsidentin von Selva viva, zur Expedition. In einem Boot, die hier als Busse bzw. als Taxis funktionieren, da es hier keine Staßen und Autos gibt, ging es zur Liana Lodge und von dort direkt in den Urwald. Zu Beginn der Expedition, bekamen wir echte Urwald-Kriegsbemalungen aus dem natürlichen Farbstoff einer Pflanze mit roten Früchten ( der Achote). Damit waren wir bereit für den Urwald. Mit einer Machete bewaffnet ging Io voran und wir folgten in Gummistiefeln. Nun ging es durch knöchelteifen Schlamm, fast knietiefe Bäche und schier undurchdringliches Dickicht. Io zeigte uns handtellergroße Spinnen, Schmetterlinge – die bei ausgebreiteten Flügeln einem Uhu-Kopf gleichen, Palmen – die wandern können, Früchte mit denen sich die Affen kämmen und viele weitere interessante Pflanzen und Tiere. Wir kletterten wie Tarzan an Lianen rauf und runter und probierten „echtes“ Drachenblut, welches bei vielerlei Erkrankungen und Verwundungen als Medizin hilft, aber den Mund so stark austrocknet, dass Henriette dachte Holz im Mund zu haben. Nach 2,5 Stunden erreichten wir wieder das Ufer des Rio Arajuno, einem Nebenfluss des Rio Napo.

    Aber damit war der interessante Tag noch nicht beendet.

    Glückliche bzw. unglückliche Pärchen im Urwald

    Nach unserer gelungenen Urwaldexpedition ging es sofort los zur AmaZOOnico Tierauffangstation.

    Das AmaZOOnico ist ein Zufluchtsort für Regenwaldtiere jeglicher Art, welche nicht artgerecht gehalten bzw. behandelt wurden. Wir lernten die zum Teil sehr traurigen Geschichten der einzelnen Tiere kennen. Wie zum Beispiel die Geschichte eines kleinen Kaimans, welcher in einer Hotellobby als Touristenattraktion missbraucht wurde. Wir sahen eine Schildkröte, deren Panzer durchbohrt wurde, um sie anzubinden, Papageien, denen die Flügel gebrochen wurden, damit sie nicht wegfliegen (und das aus Liebe!!?!!) und vieles mehr. Auch gab es ein Papageienpärchen aus zwei unterschiedlichen Arten, die aus diesem Grund von den anderen Papageien attakiert wurden und so in ein extra Gehege gesteckt werden mussten. Außerdem gab es eine Killeraffenfamilie, wo der Vater der Familie andere kleine Äffchen gerne meuchelte´aber seine Familie sehr liebevoll behandelt, sodass das Jungendamt (noch) nicht anrücken musste. Unter Anderem kamen wir auch am Ozelottgehege vorbei. Ozelotts sind eigentlich kleine leopardenähnliche Tierchen, welche ziemlich niedlich aussehen, solang man sie aus der Ferne beobachtet. Dies wollte so mancher nicht beachten. Jan ging näher an den Käfig heran und wurde somit auch gleich vom Ozelott auserwählt und als sein Besitz markiert. Nach dem „Ja- Wort“ der beiden mussten wir leider wieder zurück zur Liana Lodge, um dort noch einmal die letzten Reste des WLAN`s abzugreifen.

    Der Ausflug zum AmaZOOnico machte uns aber schon etwas betroffen. Max, unser Führer vor Ort, erklärte uns, dass ein Drittel der von Polizei, Zoll, Umweltministerium und aufmerksamer Bevölkerung zum AmaZOOnico gebrachten Tiere wieder ausgewildert werden können. Das zweite Drittel wird für immer im AmaZOOnico verbleiben, da sie nicht mehr auswilderbar sind. Und das letzte Drittel stirbt schon auf dem Weg zum AmaZOOnico, da der Transport in Ecuador häufig für die Tiere sehr strapaziös ist.

  • 16.15 Uhr – Ortszeit Panama City:

    Wir stehen mit dem Flugzeug auf der Landebahn. Der Pilot informiert uns, dass es heute auf dem Flughafen einen längeren Stromausfall gab und somit viele Flüge erst mit Verspätung starten konnten. Nun sind alle Parkpositionen des Flughafens voll und wir müssen warten bis das nächste Flugzeug gestartet ist.

    17.15 Uhr – Ortszeit Panama City:

    Im vollkommen überfüllten Flughafengebäude haben wir uns einen Platz am Geländer einer Terrasse gesichert. Bei 30 Grad und schwülheißer Luft hängen die meisten auf ihren Rucksäcken ab und versuchen eine Mütze Schlaf zu bekommen.

    18.19. Uhr – Ortszeit Panama City:

    Unsere Bordingzeit ist vor 10 Minuten abgelaufen. Unser Weiterflug nach Quito verschwand vor einer halben Stunde von den Anzeigetafeln. Die Lehrer stehen mit vielen anderen gestrandeten Reisenden in der Schlange des „Punto de Información“. Kommen wir heute noch in Quito an?

    18.45 Uhr – Ortszeit Panama City:

    Nun stehen wir am Gate 9. Die Auskunft schickte uns hierher. Doch an der Anzeigetafel steht „Destino: Sao Paolo“ – Abflug nach Sao Paolo. Andere hellhäutige Reisende sprechen uns auf deutsch an, sie wollen ebenfalls nach Quito – kann hier jeder Deutsch? In der Menschentraube stehen auch ein Pilot und seine Crew. Sie wollen wohl auch nach Quito und sind unsere Besatzung des Flugzeugs. Das gibt uns Mut.

    19.10 Uhr – Ortszeit Panama City:

    Mittlerweile ist es dunkel geworden. Die geplante Startzeit ist schon verstrichen. Wir beobachten aus den Fenstern unseres Flugzeugs wie die Gepäckträger genervt von den Gepäckwagen Koffer abladen und auf das Gepäckband in den Rumpf des Flugzeugs werfen. Dabei kontrollieren sie bei jedem Gepäckstück Herkunft und Reiseziel. Einige Koffer werden aussortiert und einige dürfen den Weg in das Flugzeug nehmen. Etwa 10 große Gepäckstücke, die wie unsere mülltütenummantelten Rucksäcke aussehen, bleiben draußen stehen.

    Die Erwachsenen werden unruhig. Herr Ulbricht versucht das Bordpersonal zu überreden, mit ihm aus dem Flugzeug zu steigen und nach unserem Gepäck zu schauen. Gepäckscheine werden betrachtet und uns wird mehr oder weniger überzeugend versichert, dass unser Gepäck im Rumpf ist. Man ist nicht bereit jemanden rauszulassen.

    22.00 Uhr – Ortszeit Quito:

    Seit 10 min kreisen vor unseren Augen unzählige Koffer unseres Fluges auf dem Gepäckband des quitener Flughafens. Unsere Rücksäcke sind nicht dabei.

    Plötzlich entdeckt Frau Hähner hinter uns auf einem anderen Gepäckband unsere Rucksäcke. Da sie von außen eher Müllsäcken ähneln, wurden sie als Sondergepäck behandelt und nicht mit den anderen Koffern auf das normale Gepäckband gelegt.

    Noch 45 Minuten Fahrt mit einem Taxi-Bus und wir sind an unserem ersten Etappenziel. Die Herberge „Casa Helbling“ in Quito. Sie wird immer wieder zentraler Anlaufpunkt während unserer 3-wöchigen Reise sein. Claus, der Herbergsvater, begrüßt uns. Er kam vor 25 Jahren aus Berlin nach Quito, heiratete seine ecuadorianische Frau und baute mit ihr das Hostel auf.

    So endet unser erster aufregender 31-Stunden-Tag der Reise. Morgen Mittag holt uns Fabián, ein Mitarbeiter von „Selva viva“ ab und bringt uns in den Regenwald.

    Dort werden wir kein Internet haben, so müsst Ihr etwas Geduld bis zu den nächsten Berichten haben.

  • 06.00 Uhr – deutsche Zeit, Flughafen Dresden:

    Wir verpacken unsere trendigen¹ Rucksäcke in Mülltüten, die wohl angeblich vor Transportschäden schützen sollen, und überlassen sie schmerzlicherweise dem Flughafenpersonal. Wann werden wir sie wohl wiedersehen?

    Eine Stunde später immer noch Flughafen Dresden:

    Herr Ulbricht steht in Socken im Kontrollbereich des Flughafens. Die Hose rutscht ihm, da er auch seinen Gürtel aus der Hose zeihen musste. Ein Sicherheitsbeamter tastet ihn wie einen Schwerverbrecher ab. Unsere Eltern stehen mit Tränen in den Augen 20 m von uns entfernt, auf der anderen Seite der Sicherheitskontrolle, nah und für uns doch so unerreichbar. Ist das schon das Ende der Reise oder der Beginn eines Abenteuers … ?

    Nach dem der Fotoapparat der Schule noch auf Sprengstoff untersucht wurde, wurde Herr Ulbricht wieder entlassen. Es konnte weitergehen.

    Auf uns wartete nun eine 20 – stündige Reise:

    Dresden – Frankfurt – Panama City – Quito

    Nach weiteren etlichen Kontrollen und langem Warten auf den Flug und auf die Lehrer, welche durch das Schlürfen ihrer Kaffees total die Zeit vergessen hatten, saßen wir dann endlich im Flugzeug. Schon durch Aufregung auf das was kommen würde, verschluckte Niklas seinen Kaugummi, welchen er eigentlich für den Start vorgesehen hatte, bevor das Flugzeug überhaupt in der Nähe der Startbahn war. Die ersten Flugzeugkopfhörer fielen schon auseinander, während Johann jetzt schon vor Langeweile auf der Schulter seiner Sitznachbarin Selma einschlief.

    -Plothole- 09.00- deutsche Zeit, Flughafen Frankfurt:

    Wir saßen gelangweilt an unserem Gate und rätselten über Namen für unser neues Reisemaskottchen: Burito con Rayas (auch liebevoll Fritz Pferdinand genannt)

    Doch als Johann und Jan verschwanden, um die ersten Fotos mit unserem Maskottchen zu schießen, gerieten wir in Panik, denn als wir uns schon auf den Weg zum Flieger begeben wollten, waren die beiden immer noch nicht in Sicht. Dies führte dazu, dass Henriettes Vater einen halben Nervenzusammenbruch erlitt, loseilte um Jan und Johann wiederzufinden und ebenfalls verschwand. Entgegen aller Erwartungen schafften wir es dann doch noch alle in den vollgestopften Bus, welcher uns zum Flugzeug bringen sollte, aber dann doch nur stundenlang auf dem Flughafengelände seine Kreise zog. Wir vermuteten schon, er würde uns direkt nach Panama fahren wollen. Doch schließlich saßen wir alle guter Dinge im Flugzeug und freuten uns auf die anstehende Reise.

    ¹Zitat: Frau Hähner – Anm. d. Chronisten, u. d. Chronistin.

  • Dass das Wetter zu unserem Vorbereitungswochenende so perfekt sein würde, hätten wir nicht gedacht. Schon Tage vorher waren es immer fast 30°C und als wir nachmittags nach dem Unterricht starteten, gab es auch noch das entsprechende Gewitter. Es war alles so, wie wir es vom Tropischen Regenwald im Geo-Unterricht gelernt haben.

    Es spornte uns nicht gerade an eine Nacht im Freien zu verbringen, aber wir ließen uns nicht abschrecken. Herr Ulbricht ließ einfach alle unter einer großen mitgebrachten Plane antreten und schon ging es los zum Hauptbahnhof.

    Fast trocken angekommen, ging es weiter mit der S-Bahn nach Schmilka. Dort begann der Aufstieg ins Gebirge. 90 Minuten lang hunderte von Treppenstufen bergauf. Wer unter dem Regencape nicht vom Regen nass wurde, war es nun durch den Schweiß. Denn alles musste hochgetragen werden: Essen, Trinken, Ausrüstung, Wasser zum Waschen und sogar ein „K…“-Spaten zur Beseitigung der menschlichen Notdurft. So wird es vielleicht auch im Regenwald sein.

    Nach Durchsteigen der Heiligen Stiege war es dann nicht mehr weit bis zur Boofe. Dort angekommen, stellten wir unsere Sachen unter, richteten das Lager ein und bereiteten das Abendessen vor. Nach dem Essen, saßen wir noch zusammen und redeten über die anstehende Ecuadorreise und schliefen unter dem regenbewölkten Himmel ein.

    Am nächsten Morgen weckten uns leider keine Affen- und Papageienrufe, so wird es dann hoffentlich im Dschungel sein. Nachdem alle wach waren, frühstückten wir, packten zusammen und räumten das Lager. Anschließend stieß Frau Hähner zu uns und wir konnten in voller Stärke zur Trainingswanderung starten. 6 Stunden scheuchten uns die Erwachsenen über, unter und durch den Sandstein. In schwindeligen Höhen an der Ida-Grotte und beim Abstieg durch Rotkehlchenstiege musste so mancher seine Höhenangst besiegen.

    In Schmilka wieder angekommen aßen wir noch einen kleinen Snack, spielten ein paar Runden „Twister“ ohne Hilsmittel – das geht – und fuhren anschließend wieder zurück nach Dresden.

    24 Stunden mit Hitze und Regen in der Wildnis – wir haben überlebt. Ecuador wir kommen.

    Henriette Reichel, Niklas Kaufmann und Ingo Ulbricht

     

  • Der Regenwald im ecuadorianischen Amazonasgebiet wird weiter zerstört. Trotz vieler Bemühungen holzen die Menschen den unglaublich artenreichen und einmaligen Wald weiter ab.
    Deshalb wurde 1993 das Regenwaldschutzprojekt Selva Viva gegründet. Der noch vorhandene Primärwald soll vor der drohenden Abholzung geschützt werden. Darum wurde mit verschiedenen Spenden nicht nur Wald gekauft, sondern es wurde ein umfassendes Projekt aufgebaut. Das Projekt besteht aus folgenden fünf Teilen:

  • Nach Ankunft in Ecuador werden wir gleich in den Schutzwald  von „Selva viva“ im Gebiet von Tena fahren.

    Durch Exkursionen werden wir dort das Ökosystem des tropischen Regenwaldes erforschen.

    Ein wesentlicher Programminhalt ist die aktive Mitwirkung an einer Aufforstungsaktion auf einem neu erworbenen Grundstück der GSR „Selva viva“.

    Weiterhin werden wir die Tierauffang- und Auswilderungsstation „amaZoonico“ und die Urwaldschule „Sacha Yachana Wasi Christina“, die dem Projekt angeschlossen sind, kennenlernen. Über die Kinder der Urwaldschule möchten wir  Kontakt zur indigenen Bevölkerung, der Kichwas, im benachbarten Ort Ahuano aufbauen.

    Wir möchten das  Alltagsleben der  indigenen Bevölkerung kennenlernen, ihre Lebensumstände und Kultur, ihren Schul- und Arbeitstag, miterleben.

    Nach etwa 10 Tagen werden wir in das Hochland der Anden fahren und dort das Leben der Kichwas in Otavalo kennenlernen. In Exkursionen werden wir  die Lebensweise und die ursprünglichen Herstellungsverfahren der traditionellen Web- und Textilwaren kennenlernen.

    Natürlich besuchen wir auch die Hauptstadt Quito. Neben der kolonialen Geschichte der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt werden wir dort uns das Leben der Bewohner und deren Probleme anschauen.

    Zum Abschluss werden wir noch einige Vulkane, wie den Vulkan Cotopaxi in der Nähe der Hauptstadt und das  Monument „Mitad del Mundo“ auf dem Äquator besuchen. Dort werden wir uns durch Experimente mit den geophysikalischen Besonderheiten der Region auseinandersetzen.

  • Seit vielen Jahren unterstützen wir die Gesellschaft zum Schutz des Regenwalds GSR „Selva viva“ in Ecuador. Nun möchten wir diesen Schutzwald kennenlernen. Wir wollen sehen, wie die Spendengelder unserer Schule eingesetzt wurden und werden.

    Wir möchten die Pflanzen und die Tiere des tropischen Regenwaldes genauer kennenlernen und erleben.

    Uns interessiert, wie die Eingeborenen, die Kichwas, im Regenwald leben.

    Nicht zuletzt werden wir vor Ort selbst mit Hand anlegen und uns an einem Aufforstungsprojekt beteiligen.

    So hoffen, wir hoch motiviert mit neuem Wissen und vielen Ideen aus Ecuador zurückzukehren und durch Vorträge über die Verwendung der jährlichen Spenden der Schulgemeinschaft zu informieren und durch viele andere Aktionen unsere Mitschüler zur Unterstützung des Projektes zu motivieren.

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